Der Sandregenpfeifer [Teil 3] – Ab in die Natur

Nach dem Sie in Teil 1 unserer Serie Bekanntschaft mit den Sandregenpfeifern gemacht haben und gelernt haben, warum ihr Bestand bedroht ist. Haben Sie in Teil 2 ihre Reise aus dem Ei und bei den ersten Schritten begleitet. Heute wird es emotional. Wir nehmen Sie mit zu dem Moment, auf den wir alle so lange hingearbeitet haben: den Tag der Auswilderung.

 

Ein Morgen mit Gänsehaut

Es ist früh am Morgen, der Wind bläst über das Gelände des Zoo Rostock und die Möwen drehen lautstark ihre Runden. Doch die eigentlichen Stars des heutigen Tages sind viel kleiner. Im Hintergrund wuselt das Team aus Tierpfleger*innen und den Expert*innen des NABU Mittleres Mecklenburg mit der Fachgruppe Ornithologie Rostock geschäftig hin und her. Die Transportboxen stehen bereit. In ihnen sitzen unsere aufgezogenen Sandregenpfeifer – wohlgenährt, gesund und bereit für das echte Leben da draußen.

 

Nächster Halt: Ostseestrand

Die Fahrt führt uns an den Strand von Riedensee. Hier haben die Vögel die besten Chancen, ungestört in ihr neues Leben zu starten. Die Sandregenpfeifer sollen die Gelegenheit haben, sich in ihrer neuen Umwelt einzufinden. Zu diesem Zweck wurde ein mobiler Auswilderungskäfig am Strand aufgestellt. Hier können die kleinen Küstenvögel sich zunächst mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut machen und an ihre natürliche Nahrung gewöhnen. Hier bleiben sie erstmal für 24 Stunden und werden währenddessen rund um die Uhr vom Projektteam überwacht.

Die ersten Schritte in die weite Welt

Es ist der nächste Tag. Die Projektteilnehmenden des NABUs und des Rostocker Zoos sowie diverse Journalist*innen haben sich am Strand von Riedensee versammelt. Um kurz nach 9 Uhr morgens öffnet Vogelkurator Jonas Hamburg per Seilzug den Auswilderungskäfig. Die vier Sandregenpfeifer verlassen den Käfig unmittelbar und laufen zunächst gemeinsam in den Schutz der angrenzenden Dünen. Dann spreizen sie ihre Flügel und verteilen sich in alle Richtungen. Entspannung und Stolz macht sich breit im Team. Das ist der Moment, auf den sie alle monatelang hingearbeitet haben.

 

Tschüss, kleine Flitzer!

Während die Sandregenpfeifer langsam in der Weite des Strandes optisch mit den Kieseln verschmelzen, packt das Team wieder zusammen. Dies ist der erste von zwei Auswilderungsdurchgängen in diesem Jahr. Insgesamt konnten 2025 sechs Sandregenpfeifer in menschlicher Obhut aufgezogen und anschließend ausgewildert werden.

Doch mit der Freilassung am Strand endet die Arbeit für das Projektteam nicht. In den folgenden Wochen sind die Expert*innen häufig vor Ort und beobachten, ob die ausgewilderten Sandregenpfeifer noch da sind, wie sie sich in der Natur zurecht finden und ob sie beispielsweise selbstständig erfolgreich auf Nahrungssuche sind.

Das Projekt soll in den kommenden Jahren weitergeführt werden und zum Arterhalt beitragen.
Und zu guter Letzt, benötigen wir auch Sie, um diese Erfolgsgeschichte weiterführen zu können. Wenn Sie also das nächste Mal an unseren schönen Ostseestränden spazieren gehen, achten Sie auf abgesperrte Strandbereiche, bleiben Sie auf den Wegen und leinen Sie Ihren Hund an. So können wir alle einen Beitrag leisten.

Nach oben