Hinter den Kulissen im Korallenriff

Verschiedene Themenkojen führen die Besucherinnen und Besucher im Darwineum durch die Erdzeitalter und greifen das Thema Evolution auf anschauliche Weise auf. „Unterwasserstädte der Urzeit“ – dieser Schriftzug ist an einer jener Kojen zu lesen. Hier erwartet die Gäste der Anblick eines imposanten Aquariums, in dem sich im wahrsten Sinne des Wortes eine kleine Unterwasserstadt befindet. Zu den Bewohnern zählen Fische in allen erdenklichen Farben und unzählige Stein- und Weichkorallen. Hinter den Kulissen kümmert sich die Tierpflege um die Verwaltung der Stadt, um die medizinische Versorgung der Bewohner, um die Instandhaltung ihres Wohn- und Lebensraums und noch vieles mehr.

Hinter den Kulissen im Korallenriff

Zu diesem Team gehört auch Tierpflegerin Jana Prätorius, die sich, obwohl ihre Laufbahn im Zoo vor mehr als zehn Jahren bei den Huftieren begann, bereits in jungen Jahren den Meeresbewohnern verschrieben und die in der Aquaristik ihre Berufung gefunden hat. Gemeinsam ziehen die Kolleginnen und Kollegen hinter den Kulissen des Korallenriffs, das 2020 vom Berufsverband der Zootierpfleger mit dem Biber-Preis ausgezeichnet wurde, die Strippen. Aquaristiker gelten in der Tierpflege laut Jana Prätorius eher als „Exoten“. Nur wenige Absolventen eines Ausbildungsjahrgangs orientieren sich in Richtung Meer- oder Süßwasseraquaristik. Dabei sind die anfallenden Aufgaben in diesem Bereich ebenso interessant wie umfangreich. Im Korallenriff gilt es, stets den Bedürfnissen der Bewohner entsprechend zu agieren. Dafür finden zwei bis drei Tauchgänge in der Woche statt, bei denen die Korallen begutachtet werden. Sollten Probleme, wie beispielsweise der Befall einer Koralle mit Bakterien, auftreten, die ein schnelles Absterben der Korallen bedingen, ist schnelles Handeln gefragt, um ein Überspringen auf die Nachbarn zu verhindern. Das „medizinische Personal“ kümmert sich dann um die Notfallversorgung – betroffene Stellen werden schnellstmöglich behandelt oder gar entfernt. Im schlimmsten Fall muss eine Koralle gänzlich entnommen werden.

Auch die schwimmenden Bewohner des Riffs werden dahingehend begutachtet, auch wenn sich die Behandlung im Krankheitsfall aufgrund der Schnelligkeit der Patienten als schwieriger erweist. Einige der Blumentiere nehmen es mit den Grundstücksgrenzen innerhalb des Korallenriffs nicht ganz so genau. Auch hier ist es wichtig, im Blick zu behalten, welche Arten zu dicht zusammenwachsen und den Nachbarn zu verdrängen drohen. Hin und wieder muss eine Koralle dann durch das „Ordnungsamt“ umgesiedelt beziehungsweise versetzt werden. Gerade bei Vertretern, die mit „Kampftentakeln“ ausgestattet sind, sollte die direkte Nachbarschaft lieber unbewohnt bleiben. Was für die Menschen an Land die Luft zum Atmen ist, ist für die Bewohner des Riffs die Qualität des Wassers. Um diese stets hoch zu halten, führen Jana Prätorius und ihre Kolleginnen und Kollegen täglich Kontrollen durch. Anhand von Tröpfchen-Proben und Schnelltests wird das Wasser jeden Tag aus auf bestimmte Werte und Nährstoffe kontrolliert und diese dokumentiert, die Temperatur wird gemessen und die Funktionsweise der Technik und Filter überprüft. Denn schlechte Wasserwerte sind auch schlecht für die Fische und Korallen. Einmal monatlich gehen Wasserproben dann auch ins Labor, wo anhand einer kompletten Analyse viele weitere Parameter kontrolliert und die Wasserqualität noch besser bewertet werden können.

Hinter den Kulissen im Korallenriff

Die gute Wasserqualität gilt es selbstverständlich zu halten oder nach Möglichkeit auch noch zu verbessern. Dafür müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der „Stadtreinigung“ bei ihren Tauchgängen regelmäßig auch Sedimente absaugen. Unterstützung bei der Reinigung gibt es auch durch die Filteranlagen. Etwa einmal pro Stunde laufen die 60.000 Liter, die das große Aquarium fasst, durch die Filterung. In Zukunft soll das dank einer verstärkten Strömung noch optimiert und der Durchlauf erhöht werden. Wie jede andere Stadt ist auch diese Unterwassermetropole ständig im Wandel. Kinder werden geboren, ältere Tiere gehen ab, neue Bewohner kommen hinzu. Bei Bestandsveränderungen schaut das Team der „Stadtverwaltung“ im Hintergrund stets, wer ins Gefüge passt und das Leben in der Unterwasserstadt noch bereichern kann – nicht zuletzt auch für die Gäste vor der Scheibe. Hinter den Kulissen gibt es auch für die Belange von Jana Prätorius und ihren Kolleginnen und Kollegen ausreichend Platz, was für ein Aquarium nicht selbstverständlich ist. Dieser Raum bietet ihnen die Möglichkeit, im Bedarfsfall technisch aufzurüsten, einfache Zugänge ins Becken und bequeme Positionen, um das Treiben in der Unterwasserstadt zu beobachten und die Versorgung der Bewohner zu sichern.