POPULATIONSMANAGEMENT: DIE ERHALTUNG GENETISCHER VIELFALT & GESUNDHEIT

Der Begriff Population ist vielen geläufig – doch was versteht man unter Populationsmanagement, und das insbesondere im Kontext Zoo? Eine Population ist per Definition eine Gruppe von Individuen der gleichen Art, die sich einen Lebensraum teilen und untereinander fortpflanzen, wodurch sie über mehrere Generationen genetisch miteinander verbunden sind.
In der Natur unterliegen Populationen dem Einfluss äußerer Faktoren. Denn die scheinbare „Idylle“ ist ein Überlebenskampf um Ressourcen, beispielsweise durch die Verfügbarkeit geeigneter Lebensräume, von Futter und Wasser. Somit haben die natürlichen Lebensräume aller Populationen bestimmte Kapazitätsgrenzen. Dies prägt die drei wesentlichen Prozesse der Populationsentwicklung: Reproduktion, Migration und Tod.


Jaguare im Zoo Rostock

Die Reproduktion wird durch unterschiedliche Fortpflanzungsstrategien verschiedener Tierarten, und insbesondere das Angebot von (Nahrungs-) Ressourcen beeinflusst. Dabei ist es jedoch von vornherein völlig natürlich, dass nicht alle Jungtiere überleben.
Auch Migration, die Zu- und Abwanderung verschiedener Individuen in einen Lebensraum oder aus diesem heraus zu anderen Populationen findet statt, sie ändert jedoch in der Regel nichts an den natürlichen Kapazitätsgrenzen. Der Tod hingegen ist aufgrund eben jener Grenzen eines Lebensraumes eine bedeutende Komponente. Ist die Kapazität erreicht, sterben mehr Tiere – durch Nahrungsmangel, die Ausbreitung von Krankheiten, und weniger Nachwuchs schafft es in die nächste Generation.
Diese natürliche Selektion steuert Populationen so, dass sie vor allem aus gesunden, fortpflanzungsaktiven Tieren bestehen, und somit genetisch vielfältig und stabil bleiben. Vielfach ist der Mensch aber schon so weit in die Lebensräume vorgedrungen und hat sie eingeengt oder verändert, dass auch natürliche Populationen reguliert werden müssen, beispielsweise durch Bejagung. Es findet also ein Management der Population statt.

 


Auch bei der Haltung in Zoos findet ein gezieltes Management von Tierpopulationen statt. Als Teil des Artenschutzes sind viele Tiere Teil von koordinierten Erhaltungszuchtprogrammen oder spielen eine Rolle in der Umweltbildung. Das Populationsmanagement hat das Ziel, die Arten als genetisch gesunde, fortpflanzungsfähige und langfristig sichere Bestände zu erhalten.
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Litschi-Moorantilopen

n den Zoos besteht – ganz analog zur Natur – auch eine Kapazitätsgrenze für jede Tierart oder Population, zum Beispiel dahingehend, wie viele Tiere in einem Erhaltungszuchtprogramm gehalten werden können.
Da die Tiere in Zoos durch ein dauerhaft ausreichendes Nahrungsangebot, tiermedizinische Versorgung oder fehlende Fressfeinde und andere natürliche Selektionsparameter eine gute Reproduktionsleistung zeigen und oftmals eine höhere Lebenserwartung haben, sind die Kapazitätsgrenzen in den Zoos teils „schnell“ erreicht. Nach „natürlichem Vorbild“ würde die Reduktion der Population an dieser Stelle durch den Tod erfolgen. Neben der genannten guten Versorgung und Betreuung der Tiere im Zoo, spielt es für die moderne Tierhaltung eine wichtige Rolle, den Tieren die Möglichkeit zu geben, möglichst viele Verhaltensweisen naturnah auszuleben. Die Fortpflanzung ist für viele Tiere ein zentraler Lebensinhalt und beinhaltet gerade bei sozial lebenden Arten oft wesentliche Aspekte des Verhaltensspektrums, die nur durch die Möglichkeit zur Paarung und Jungtieraufzucht erlernt werden können. Im Rahmen der Reproduktionskontrolle, zum Beispiel durch Verhütung oder eine Trennung der Geschlechter, bleibt dieses Lernverhalten aus. Außerdem kann es zu gesundheitlichen Folgen kommen. Bei einer Reihe von Tierarten ist inzwischen bekannt, dass sie beim Ausbleiben von Fortpflanzung auf Dauer unfruchtbar werden.
Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die tiergerechte Ernährung, insbesondere von Fleischfressern. Diesen werden durch das Anbieten ganzer Tierkörper oder Teilen davon, gerade auch von ganz verschiedenen Arten, gesundes Futter sowie wichtige Reize und Beschäftigung geboten.