Mit einem besonderen Schritt im praktischen Artenschutz startete Anfang August ein neues Kapitel für den Sandregenpfeifer an der Ostseeküste. Erstmals wurden in Mecklenburg-Vorpommern Sandregenpfeifer ausgewildert – ein gemeinsames Projekt des Zoo Rostock und des NABU Mittleres Mecklenburg mit der Fachgruppe Ornithologie Rostock. Die Tiere wurden zuvor im Zoo Rostock in menschlicher Obhut aufgezogen.
Das Konzept umfassender Schutzmaßnahmen zum Schutz des Sandregenpfeifers an verschiedenen, intensiv touristisch genutzten Stränden zwischen Kühlungsborn und Warnemünde basierte zunächst auf vier Säulen: das systematische Monitoring bekannter Brutplätze, die Errichtung und Betreuung saisonaler Strandinseln als geschützte Strandflächen für Brutpaare, die flexible Absperrung von Gelegeschutzbereichen für gefährdete Gelege außerhalb der festen Schutzflächen sowie die Öffentlichkeitsarbeit mit Aufklärung über die Gefährdung der Strandbrüter und die Bedeutung des Projekts. Im Jahr
2025 wurde erstmals eine fünfte Maßnahme angewendete: die Sicherung von Gelegen aus aussichtslosen Lagen, wenn ein Schutz vor Ort nicht möglich war, mit anschließender Ausbrütung im Zoo Rostock und der Auswilderung der aufgezogenen Jungvögel.
Sandregenpfeifer versuchen auch immer wieder an ungeeigneten Stellen zu brüten, zum Beispiel an Strandaufgängen, vor Strandkörben oder weit vorn am Wasser. In der Folge werden Gelege zerstört oder gehen durch Störungen verloren. Für solche Gelege wurde in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreis Rostock und gemeinsam mit der Fachgruppe Ornithologie entschieden, Eier aus diesen Risikozonen zu entnehmen und im Zoo zu erbrüten und aufzuziehen
Für die Entscheidung zur Entnahme von Eiern aus solchen Hochrisikozonen wurden verschiedene Kriterien herangezogen, unter anderem die Nähe zur Wasserlinie oder die Frequentierung durch Strandbesuchende. Wurde festgestellt, dass eine Absperrung des Geleges nicht möglich bzw. sinnvoll war, wurden Gelege gerettet. Im Sommer 20205 wurden Eier von vier Gelegen an vier verschiedenen Brutstandorten in Börgerende-West, in Börgerende-Ost und in Wittenbeck entnommen und wärmeisoliert und gegen Erschütterungen geschützt in den Zoo gebracht. Die weitere Entwicklung der Eier über die Bebrütung bis zum Schlupf wurde überwacht.