Gute-Nacht-Geschichte "Fiete, der Abenteurer"


Eisbär Fiete ist am 03. Dezember 2014 im Zoo Rostock geboren worden und im Zuge der Umbauarbeiten für das neue Polarium in den Zoo Sóstó nach Ungarn umgezogen.
Als Geschenk zu seinem 1. Geburtstag gab es ein eigenes Buch: eine Gute-Nacht-Geschichte, die von dem kleinen, abenteuerlustigen Eisbärjungen und seinem nächtlichen Streifzug durch den Zoo erzählt. Geschrieben hat die Gute-Nacht-Geschichte Karolin Köhn, die Illustrationen stammen von Konstanze Zelck. Nun stellen wir Ihnen die Geschichte auf unserer Webseite auch als Hörspiel zur Verfügung - gelesen von Karolin Köhn. Viel Spaß beim Reinhören!

Die Abenteuer des Rostocker Eisbären

Fiete, der Abenteurer

Eine Gute Nacht-Geschichte von Karolin Köhn
mit Illustrationen von Konstanze Zelck

Es war eine kalte Winternacht im Dezember. Die Schneeflocken fielen lautlos auf die frostige Erde. In jener Nacht erblickte im Rostocker Zoo ein kleiner Eisbär das Licht der Welt. Seine Mutter nannte ihn liebevoll Fiete. Jeden Abend, bevor er schlafen ging, erzählte ihm Mama Vilma die Geschichte von den Sternen. Dicht an ihr weiches Fell gekuschelt, lauschte Fiete ihrer Stimme. „Schau, dort oben am Himmel. Der Stern, der am hellsten funkelt ist der Polarstern. Solltest du einmal im Dunkeln stehen, wird er dir den rechten Weg weisen.“

Die Tage und Nächte vergingen und Fiete wuchs zu einem munteren Eisbärenjungen heran. Auf seinen tapsigen Pfoten erkundete er sein Zuhause. Er schlug einen Purzelbaum nach dem anderen, badete quietschvergnügt im kühlen Wasser und pirschte den Schmetterlingen
hinterher. Doch eines Tages wurde dem neugierigen Fiete langweilig. „Mama“, sagte er. „Ich werde losziehen und all die Tiere kennen lernen, die hier leben! Ich will endlich Freunde finden.“ Vilma schaute ihren Sohn an und antwortete: „Mein lieber Fiete, für solch ein Abenteuer bist du noch viel zu klein. Du musst erst noch einiges lernen.“

Die Antwort seiner Mutter gefiel dem aufgeweckten Fiete überhaupt nicht. „Ich bin schon groß und will was erleben! Ich bin ganz allein hier“, brummte er und stapfte trotzig davon. Vilma blickte ihm mit traurigen Augen nach und rief: „Du bist doch nicht alleine, Fiete, du hast doch mich!“ Doch Fiete reagierte nicht und verkrümelte sich hinter einem großen Stein. So kam es, dass die erste Nacht herein brach, in der sich Fiete und Vilma getrennt voneinander schlafen legten.

Diesen Moment nutzte der Fuchs, der die Bärenmutter und ihr Junges bereits beobachtet hatte. Über ein geheimes Loch in der Erde gelangte er in das Bärenzuhause. Leise schlich er sich an Fiete heran. „Na du ...! Hast du Lust auf ein Abenteuer?“, flüsterte er mit listiger Stimme. Fiete erschrak. „Wer bist du?“ „Ich bin der Fuchs. Ich kann dein Freund sein. Komm mit mir mit! Ich zeige dir den König der Tiere. Und noch dazu besorge ich uns den saftigsten Knochen, den du je gefressen hast“, fuhr der Fuchs fort. Fietes Augen strahlten. Aufgeregt sprang er auf. „Oh ja!“ Er konnte es kaum erwarten, sein erstes Abenteuer zu erleben.

Gerade schlüpften die beiden durch das Loch hinaus, als plötzlich der Ruf des Uhus ertönte, der auf dem dicken Ast einer Kiefer saß. „Uhu! Uhu! Sei kein Bärenkopf und hör gut zu! Kehr wieder um und geh zur Ruh!“ Fiete drehte sich nachdenklich zu seiner schlafenden Mutter um. Doch seine Neugier war größer. Gemeinsam mit dem Fuchs begab er sich auf den Weg durch den dunklen Zoo.

Ohne ein Wort zu sagen, schaute sich Fiete gebannt um, während der Fuchs forsch voran eilte. In den Baumkronen rauschte der frische Nordwind und Fledermäuse flatterten wie flinke schwarze Schatten durch die Luft. Fiete wusste gar nicht, wo er zuerst hinschauen sollte. Von überall her ertönte ein Rascheln in seinen kleinen Ohren und aus den Gebüschen blitzten Fiete leuchtende Augen entgegen. Plötzlich landete der Uhu auf einem Baum am Wegesrand und rief erneut: „Uhu! Uhu! Sei kein Bärenkopf und hör gut zu. Kehr wieder um und geh zur Ruh.“ Doch Fiete war nicht mehr zu halten. Zu gerne wollte er den König der Tiere
sehen, von dem ihm der Fuchs erzählt hatte.

Vor einem großen Gehege blieb der Fuchs stehen und drehte sich mit einem breiten Grinsen zu Fiete um. „Wir sind angekommen. Über einen geheimen Weg gelangen wir hinein.“ Gesagt getan. Neugierig folgte Fiete dem Fuchs ins Gehege. Dann fuhr der Fuchs fort: „Hier lebt der Löwe. Du wirst sehen, welch majestätische Mähne er trägt. Pass auf! Du bleibst hier stehen. Während du den Löwen ablenkst, ergattere ich seinen Knochen. Und dann verschwinden wir.“ Kaum ausgesprochen, verschwand der Fuchs auch schon im Dunkeln und ließ Fiete allein.

Plötzlich war dem mutigen Bärenjungen gar nicht mehr so abenteuerlustig zumute. Aufgeregt blickte er um sich. Doch es war zu spät. Längst hatte der Löwe die Eindringlinge gewittert. Vor Angst erstarrt blickte Fiete dem furchteinflößenden Tier mit großen Augen entgegen. Mit einem Satz sprang der Löwe auf Fiete zu und riss sein riesiges Maul auf.

„Wuuuaaaa! Was hast du hier zu suchen?“ Im selben Moment schlich sich der Fuchs ungesehen davon und ließ Fiete mit dem Löwen und seinen scharfen Zähnen alleine. Zitternd blickte der kleine Bär zu dem Raubtier hinauf. Was hat er jetzt bloß mit mir vor, dachte er sich. Der Löwe trat bedrohlich nah an Fiete heran. Sein kleines Bärenherz schlug so stark, dass es ihm fast aus der Brust gesprungen wäre. Er kniff die Augen zusammen und wimmerte: „Bitte Löwe, tu mir nichts!“ Mit seiner mächtigen Pranke stupste der Löwe Fiete an die Stirn, sodass dieser auf den Rücken plumpste. „Du Strolch, sieh zu, dass du nach Hause kommst! Und lass dich nie wieder hier blicken!“ Dann machte er kehrt und verschwand.

Zurück blieb der kleine Fiete in der dunklen Nacht. Weit weg von zu Hause, ohne zu wissen, wo er war. Dicke Tränen kullerten über seine Wangen und er wünschte sich nichts sehnlicher, als bei seiner Mutter zu sein. Traurig schaute er hoch in die Sterne. Da erinnerte er sich an Mamas Worte: „Der Stern, der am hellsten funkelt ist der Polarstern. Solltest du einmal im Dunkeln stehen, wird er dir den rechten Weg weisen.“
Fiete fasste neuen Mut. Plötzlich landete der Uhu auf seinem Rücken: „Uhu! Uhu! Du Bärenkopf, hör mir gut zu! Wir kehren um und geh´n zur Ruh.“

Erleichtert trat der kleine Ausreißer mit seinem Gefährten den Heimweg an. Er konnte es kaum erwarten, wieder zu Hause zu sein. Als Fiete seine schlafende Bärenmama endlich erblickte, sprang er überglücklich auf ihren Bauch. Er war froh, das Abenteuer sicher überstanden zu haben. Vilma wachte auf und fragte mit schläfriger Stimme: „Fiete, was ist denn los?“ Fiete erwiderte verdutzt: „Ich, ähm... nichts! Ich habe nur in die Sterne geschaut!“ Beruhigt drückte Vilma ihr Kind fest an sich und schlief wieder ein.

Fiete blickte in den Nachthimmel und dachte an den Fuchs. War er wirklich sein Freund? Nein, dachte er enttäuscht. Freunde lassen einander nicht im Stich. Der Fuchs hatte ihn belogen. Ob alle Tiere so sind wie er, überlegte Fiete. Bestimmt findet er einen Freund, dem er vertrauen kann. Und wer weiß, vielleicht geschieht das bereits morgen. Mit einem Lächeln schaute Fiete zum Uhu hinauf, der inzwischen wieder auf dem Kiefernast saß und zufrieden mit den Augen klapperte: „Uhu! Uhu! Und nun mein Freund, hör mir gut zu! Schließ deine Augen und geh zur Ruh.“ Fietes Kulleraugen fielen müde zu und im Nu schlummerte der kleine Eisbär tief und fest. Zu aufregend war der nächtliche Ausflug.

Ob er von seinem nächsten Abenteuer träumen wird? Vielleicht, liebe Kinder, träumt ja ihr davon. Und nun ihr Lieben, hört gut zu! Schließt Eure Augen und geht zur Ruh!




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