Seltene Jungvögel im Zoo Rostock geschlüpft

27. Mai 2026

Im Zoo Rostock gibt es erfreuliche Nachrichten aus dem Regenwaldpavillon. Erstmals ist hier die Nachzucht des stark bedrohten Blaukappenhäherlings gelungen. Zwei Jungvögel der seltenen Vogelart sind inzwischen flügge geworden. Für den Zoo Rostock und das internationale Erhaltungszuchtprogramm gilt dies als bedeutender Erfolg im weltweiten Einsatz für den Artenschutz.

Der Blaukappenhäherling (Pterorhinus courtoisi) zählt zu den seltensten Vogelarten der Welt. Die Art wird von der Weltnaturschutzunion IUCN als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Schätzungen zufolge leben nur noch rund 250 Tiere in der Natur. Die verbliebenen Bestände kommen ausschließlich in einem kleinen Gebiet im Osten Chinas vor, wo die Vögel in Familiengruppen lichte Wälder bewohnen.
Um die Art langfristig zu erhalten, wird weltweit ein sogenannter Global Species Management Plan (GSMP) umgesetzt. Dabei koordinieren wissenschaftlich geführte Zoos in Europa, Nordamerika und Asien gemeinsam die Haltung und Zucht der Tiere. Die Reservepopulation in menschlicher Obhut umfasst derzeit rund 300 Tiere.
„Im Rahmen des internationalen Erhaltungszuchtprogramms erhielt der Zoo Rostock im Jahr 2025 ein junges Paar Blaukappenhäherlinge. Unser Paar hat bereits im Folgejahr erfolgreich Nachwuchs aufgezogen – das ist ein außergewöhnlich schöner Erfolg und für das internationale Erhaltungszuchtprogramm sehr wertvoll“, betonte Vogelkurator Jonas Homburg.

Nachwuchs gut versteckt hoch oben in der Voliere

Besonders spannend verlief die Brutzeit für die Tierpflegerinnen und Tierpfleger im Zoo Rostock. Das Häherlingspaar hatte seinen Nistplatz hoch oben in der Krone eines Baumes angelegt – weit außerhalb der üblichen Sichtmöglichkeiten. Selbst mit Leiter oder Selfie-Stick ließ sich kein genauer Blick auf das Nest werfen. Erst als Bettelrufe aus dem Geäst zu hören waren, bestand erstmals Hoffnung auf Nachwuchs. Gewissheit gab es schließlich, als zwei flügge Jungvögel gemeinsam mit den Elterntieren in der Voliere zu beobachten waren.
„Wir wussten lange nicht, ob die Brut überhaupt erfolgreich war. Umso größer war die Freude, als plötzlich zwei Jungvögel zu sehen waren“, so Jonas Homburg. „Da es nur wenige öffentliche Aufnahmen junger Blaukappenhäherlinge gibt, sind auch die entstandenen Fotos, die die Fütterung der Jungvögel dokumentieren, etwas Besonderes.“

Vielfalt ostasiatischer Vogelarten

Die Blaukappenhäherlinge leben im Regenwaldpavillon des Zoo Rostock im historischen Zooteil, in einer thematischen Anlage mit weiteren Vogelarten aus dem „Reich der Mitte“. Dort sind auch die Chinesische Nachtigall und das Chinesische Bambushuhn zu sehen, benachbart dazu die Mittelbeos und Straußwachteln. Der Zoo hält außerdem die stimmfreudigen Rotschnabelkittas und die seltenen Chinesischen Perlhalstauben.
Eine Reihe dieser Arten konnte in Rostock bereits erfolgreich nachgezüchtet werden. So zogen das Chinesische Bambushuhn und die Straußwachtel im vergangenen Jahr erstmals Küken auf. Auch die Beos, Rotschnabelkittas und Perlhalstauben sorgten schon für Nachwuchs.
Der aktuelle Zuchterfolg beim Blaukappenhäherling unterstreicht erneut die wichtige Rolle wissenschaftlich geführter Zoos im internationalen Natur- und Artenschutz. Neben der Haltung bedrohter Arten leisten Zoos einen wichtigen Beitrag zur Forschung, zur Umweltbildung und zum Aufbau genetisch stabiler Reservepopulationen für stark gefährdete Tierarten.

Hintergrund

Seltene Schönheit mit blauer Kopfhaube

Der Blaukappenhäherling aus der Familie der Häherlinge (Leiothrichidae) fällt vor allem durch seine auffällige blau gefärbte Kopfpartie und das kontrastreiche Gefieder auf. Die etwa 23 bis 25 Zentimeter großen Vögel leben sehr sozial und sind meist in kleinen Familiengruppen unterwegs. Charakteristisch sind ihre lebhafte Kommunikation und laute Rufe, mit denen sie Kontakt untereinander halten.
In ihrer natürlichen Heimat im Osten Chinas bewohnen Blaukappenhäherlinge lichte Wälder, Waldränder und buschreiche Landschaften. Dort suchen sie überwiegend in den Baumkronen nach Nahrung. Auf dem Speiseplan stehen unter anderem Insekten, Larven, Früchte und Beeren.
Die Art gilt als besonders störungsempfindlich. Lebensraumverlust und Veränderungen der Wälder zählen zu den Hauptgründen für den dramatischen Rückgang der Bestände in der Natur. Umso wichtiger sind internationale Schutz- und Erhaltungszuchtprogramme wissenschaftlich geführter Zoos.

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